Michael Kutzop – Ein Elfmeter für die Meisterschaft

33. Spieltag, 22. April 1986. Alles war im Bremer Weserstation für die Meisterfeier bereits vorbereitet. Der erstplatzierte SV Werder Bremen empfing, mit zwei Punkten Vorsprung, den zweitplatzierten FC Bayern München. Ein Sieg würde die Bremer zum zweiten Mal nach 1965 zum deutschen Meister in ihrer Klubgeschichte machen.

Otto Rehhagel, damaliger Trainer der Bremer, war bekannt dafür seine Teams vor entscheidenden Spielen bestens vorzubereiten. Er war ein Macher, einer der wußte, worauf es ankam. Auch dieses Mal schien es so. Seine Mannen spielten von Anfang an konzentriert Richtung Münchener Tor und hatten dabei die eine oder andere gute Gelegenheit. Doch es sollte bis in die 89. Spielminute dauern, bis es wohl zur größten Torgelegenheit für Werder Bremen kam. Ein angebliches Handspiel von Sören Lerby, der den Ball allerdings gegen den Kopf bekam, führte zu einem Elfmeter für Werder Bremen. Der wohl beste Elfmeterschütze seiner Zeit, Michael Kutzop, legte sich wie die vergangenen 39 Male den Ball zurecht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er alle seine 39 Elfmeter verwandeln können. An diesem Abend sollte er aber am Pfosten scheitern.

Die vorzeitige Meisterschaft war damit erst einmal auf den letzten Spieltag der Saison 1985/86 vertagt worden. Die Bremer hatten weiterhin zwei Punkte Vorsprung und mussten nun in den Süden zum VfB Stuttgart reisen. Sie hatten es selbst in der Hand. Mit einem Unentschieden wären sie Meister geworden, doch zwei Treffer durch den Stuttgarter Karl Allgöwer in der 22. und 52. Minute sorgten für Ungläubigkeit auf den Rängen. Die Werderaner verspielten doch wohl nicht in letzter Minute den sicher geglaubten Titel? Der FC Bayern führte zu diesem Zeitpunkt im Parallelspiel gegen Borussia Mönchengladbach bereits mit 3:0.

In der 79. Spielminute erzielte Manfred „Mani“ Burgsmüller den 1:2-Anschlusstreffer für die Bremer und ließ Hoffnung aufkeimen. Immer wieder stürmten die Bremer Richtung Stuttgarter Tor. Doch am Ende sollte es nicht mehr reichen und die Bremer verspielten so wirklich am letzten Spieltag die Meisterschaft. Der FC Bayern München siegte im Parallelspiel übrigens mit 6:0. Die Bayern schossen sich somit vor heimischen Publikum zur neunten Meisterschaft ihrer Geschichte. Punktgleich mit 49:19 Punkten, hatten die Bremer zwar ein Tor mehr erzielt als die Bayern (83 zu 82), aber eben auch 10 mehr Gegentore (41 zu 31) kassiert.

Im DFB-Pokalfinale konnten sich die Bayern ausgerechnet gegen den VfB Stuttgart mit 5:2 durchsetzen. Das Double war perfekt. Die Stuttgarter hatten wen genau vorher ausgeschaltet? Genau, sie hatten die Bremer bereits im Achtelfinale aus dem Wettbewerb geworfen. Für die Bremer blieb also nur die Vizemeisterschaft.

Da sich der FC Bayern für den Europäischen Landesmeisterwettbewerb qualifiziert hatte, konnten die Stuttgarter in den Europapokal der Pokalsieger einziehen. Neben dem SV Werder Bremen qualifizierten sich so Borussia Mönchengladbach, Bayer 04 Leverkusen und ja, Bayer 05 Uerdingen. Die Borussia aus Dortmund mußte durch die Relegation, erzwang im zweiten Spiel mit dem 3:1 durch Jürgen Wegmann, 20 Sekunden vor Abpfiff, ein nächstes Spiel. Im dritten Aufeinandertreffen siegte die Borussia dann 8:0 gegen den SC Fortuna Köln und verblieb in der 1. Bundesliga. Hannover 96 war nicht so glücklich, sie stiegen als Tabellenletzter ab.

Foto: imago Sven Simon

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