Der höchste Sieg in der Fußball-Bundesliga

Die Anzeigetafel war voll. Mehr passte am 29.04.1978 nicht mehr drauf. Jupp Heynckes, Carsten Nielsen, Karl Del’Haye, Herbert Wimmer und Ewald Lienen hießen die Männer die gerade Geschichte geschrieben hatten und einen bis heute unerreichten Rekord aufgestellt hatten.

Es war der 34te und letzte Spieltag der Bundesligasaison 1977/78. Die deutsche Meisterschaft so gut wie entschieden. Nein, das war sie nicht. Der 1. FC Köln, zu diesem Zeitpunkt erster, war punktgleich mit dem zweitplatzierten Borussia Mönchengladbach. Einziger Unterschied, die Kölner hatten ein um zehn Tore besseres Torverhältnis. So hätte also nur ein Wunder die Gladbacher noch zum Meister machen können. Mittelfeldspieler Horst Wohlers erinnerte sich daran, dass seine Gladbacher das Spiel unbedingt gewinnen wollten, sich aber unter keinen Umständen eine Chance auf den Titel ausgerechnet hatten.

Gegen den Elfplatzierten aus Dortmund, ging es schnell ans Eingemachte. Bereits nach einer Minute hatte Jupp Heynckes das 1:0 erzielt, dann nochmals in der zwölften Minute auf 2:0 erhöht. Und wieder nur eine Minute später, erhöhte Carsten Nielsen auf 3:0. Kalle Del’Haye, erneut Jupp Heynckes und Herbert Wimmer sorgten noch vor der Pause für einen 6:0 Zwischenstand. Und so ging es in die Pause.

In der zeitgleichen Partie zwischen dem bereits abgestiegenen FC St. Pauli und dem 1. FC Köln führten die Kölner hingegen nur mit 1:0 durch einen Treffer von Heinz Flohe. Aus dem zehn Tore Vorsprung war nur noch ein fünf Tore Vorsprung geworden. Es gab aber bekanntlich nochmals 45 Minuten zweite Halbzeit.

Beide Teams hatten dies natürlich mitbekommen. Die Kölner waren unter Druck. In dieser zweiten Halbzeit kam es dann zu einem absoluten Schlagabtausch im Fernduell zwischen Borussia Mönchengladbach und den Kölnern. Zum wiederholten Mal Jupp Heynckes und Carsten Nielsen stellten bis zur 61. Minute auf 8:0. Zeitgleich fiel der Treffer für die Kölner zum 2:0 durch Yasuhiko Okudera. Vier Tore fehlten Gladbach nun noch und bei den heimischen Fans keimte ein wenig Hoffnung auf.

Torwart Peter Endrulat (li.) und Amand Theis (beide BVB, re.) kassieren den Treffer zum 7:0

Torwart Peter Endrulat (li.) und Amand Theis (beide BVB, re.) kassieren den Treffer zum 7:0.

Und es ging munter weiter im Düsseldorfer Rheinstadion. 38.000 Zuschauer gerieten vollkommen aus dem Häuschen, als Kalle Del’Haye und abermals Jupp Heynckes auf 10:0 stellten. Nun fehlten plötzlich nur noch zwei weitere Treffer.

Doch schnell wurde diese Hoffnung wieder zunichtegemacht. Die Kölner stellten nämlich durch Heinz Flohe, dann Bernhard Cullmann und schließlich Yasuhiko Okudera auf 5:0. Nun waren es wieder fünf Tore Abstand. Doch die Gladbacher Fohlen ließen nicht nach. Zwei weitere Treffer in den letzten Minuten der Partie durch Ewald Lienen und Christian Kulik schraubten das Ergebnis zwar auf 12:0, doch am Ende reichte es eben doch nicht mehr zum großen Coup. Die Kölner lagen doch noch mit drei Toren vor den Gladbachern. Aber etwas anderes wurde geboren, ein bis heute gültiger Rekord. Der höchste Sieg der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Horst Wimmer, Rekordspieler der Gladbacher mit 366 Bundesligapartien, verabschiedete sich mit diesem Rekordspiel aus dem Fußballgeschäft. Rückblickend war er froh, dass es in dieser Konstellation zu keiner Meisterschaft mehr kam. „Das hätte nur Spekulationen wegen Schiebung gegeben.“ Der Bundesligaskandal von 1971 war keine zehn Jahre her und wirkte noch nach.

Dass Jupp Heynckes mit seinen fünf Toren nicht den Rekord für die meisten Tore in einem Spiel hält, ist jedoch eine andere Hackentrick Story.

Foto: imago Sven Simon / Horstmüller

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