Der erste Europapokalsieg des FC Bayern München

Am 17. Mai 1974 war es endlich soweit. Die Bayern aus München reckten das erste Mal den Europapokal der Landesmeister in die Höhe. Was folgte, sind die „Goldenen Jahre“. Der FC Bayern München wurde so erstmals weltweit bekannt. Drei deutsche Mieterschaften in Folge, sowie drei Mal in Folge Sieger des Europapokals der Landesmeister. Aber wie fing eigentlich alles an?

Der FC Bayern zählte 1963 nicht zu den Gründungsmitgliedern der Fußball-Bundesliga. Er stieß erst zwei Jahre später durch einen Triumph in der Aufstiegsrunde der damaligen Regionalligameister in die höchste deutsche Spielklasse vor. Neben Gerd Müller war damals ein anderer der große Star bei den Bayern. Rainer Ohlhauser erzielte in der Aufstiegssaison sagenhafte 49 Treffer, aber das allein ist eine andere Geschichte.

Als 1968 Trainer Branco Zebec den Umbruch beim FC Bayern einleitete, fiel er zunächst nur durch das Verbot von Bierkonsum innerhalb der Mannschaft auf. Experten waren zu diesem Zeitpunkt der Meinung, dass dies ja nicht gutgehen konnte. Doch Zebec sollte recht behalten und so gelang in der ersten Saison gleich das Double aus Meisterschaft und DFB Pokal. Es war das bis dahin erste der Vereinsgeschichte.

Die Bayern waren im Aufschwung, doch niemand geringerer als Borussia Mönchengladbach, die übrigens im gleichen Jahr in die Bundesliga aufgestiegen waren, sollte Bayerns stärkster Konkurrent werden. So gewannen in den Jahren 1970 und 1971 zunächst die Fohlen die deutsche Meisterschaft. Daraus resultierte, das Zebec bereits 1970 die Bayern wieder verlassen musste.

Im Jahre 1972, im Jahr der Olympischen Spiele, zogen die Bayern von der Grünwalder Straße in das neue Olympiastadion. Durch die höheren Einnahmen, aufgrund der doppelten Zuschauerkapazität, ergaben sich für die Bayern neue Finanzquellen. Der neue Trainer hieß Udo Lattek. Er brachte sofort den Erfolg in den Olympia Park zurück. In der Saison 1971/72 gelang folglich die Meisterschaft und ein 50 Jahre alter Rekord von 55:13 Punkten (79 Punkte nach der Drei-Punkte-Regel), der erst in der Saison 2011/2012 von Borussia Dortmund (81 Punkte) und ein Jahr später von den Bayern selbst (91 Punkte) übertroffen wurde. Außerdem schoss Gerd Müller in der der Saison 1971/72 insgesamt 40 Tore, was bis heute einen unerreichten Rekord darstellt. In der gleichen Saison gelang den Bayern beinahe zwangsläufig auch noch der Sieg im DFB-Pokal. 2:1 nach Verlängerung lautete das Ergebnis gegen den 1. FC Köln. Wieder ein Double. Und noch eine unglaubliche Zahl: Zwischen 1970 und 1974 blieben die Bayern zuhause 73 mal ungeschlagen.

Ein Jahr später gelang Lattek und seinem Team dann sogar erneut die deutsche Meisterschaft. Ein weiteres Jahr später gelang dann der ganz große Coup. Nach dem Gewinn einer engen Meisterschaft zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München, wartete im Finale des damaligen Ablegers der heutigen Champions League, dem Europapokal der Landesmeister, niemand geringerer als Athletico Madrid. Bis zur 90. Spielminute stand es noch 0:0 und so ging es in die Verlängerung. In der 114. Minute traf dann Luis Luis per traumhaftem Freistoß zum 1:0. Die Verzweiflung war den Münchenern ins Gesicht geschrieben. Doch in der 120. Minute kam es zu dem wohl wichtigsten Moment in Georg „Katsche“ Schwarzenbecks Karriere. Der Vorstopper der Bayern erzielte per Verzweiflungsschuss aus gut 30 Metern den so wichtigen Ausgleichstreffer. Da es zu diesem Zeitpunkt noch kein Elfmeterschießen gab, mussten beide Team also in ein Wiederholungsspiel, um dort den Sieger zu ermitteln. Das Wiederholungsspiel gewann der FC Bayern München souverän mit 4:0 durch jeweils zwei Tore von Uli Hoeneß und Gerd Müller.

Uli Hoeness setzt sich gegen zwei Gegenspeiler durch

Uli Hoeneß (Mitte) setzt sich gegen die Hintermannschaft von Athletico Madrid durch.

So war der erste große europäische Titel der Bayern perfekt. Beflügelt von diesem Triumph gelang ihnen in den beiden Folgejahren ebenfalls der Gewinn des begehrten Europapokals. 1975 mit 2:0 gegen Leeds United in Paris und 1976 mit 1:0 gegen den AS St. Etienne in Glasgow. Diese letzten beiden Titel gelangen ihnen allerdings unter dem neuen Trainer Detmar Cramer. Im Jahre 1976 gewann man außerdem den Weltpokal durch ein 0:0 und 2:0 gegen Cruzeiro Belo Horizonte. Dann war lange Flaute. Erst im Jahre 1996 gewannen die Bayern wieder einen europäischen Titel. Dieses Mal allerdings im UEFA Cup gegen Girondins Bordeaux (2:0, 3:1). Der nächste Titel sollte in der Champions League 1999 im Camp Nou geholt werden. Bis zur 90. Minute lagen die Bayern dank Mario Baslers Tor aus der 6. Minute auch 1:0 vorne. Dann kam die Nachspielzeit. Teddy Sheringham glich in der 91. Minute aus und Ole Gunnar Soskjaer setzte dann in der 93. Minute noch einen drauf. Manchester United dreht in nur 120 Sekunden das Spiel und gewann den Titel. Im darauffolgenden Jahr unterlagen die Bayern Real Madrid, aber 2001 war es dann endlich soweit. Im Elfmeterschießen hielt Oliver Kahn sensationell drei der sieben Elfmeter. Seine Mannschaft siegte so mit 5:4 n.E. gegen den FC Valencia. Am 25. Mai 2013 war es dann zum zweiten Mal soweit. Nachdem man im Halbfinale den FC Barcelona in Hin- und Rückspiel mit 7:0 aus dem Wettbewerb gekegelt hatte, kam es zum ersten deutsch-deutschen-Finale in der kurzen Champions League Geschichte. Der Gegner: Borussia Dortmund. Die Borussen hatten Real mit Cristiano Ronaldo aus dem Wettbewerb geworfen. Durch Tore von Mario Mandzukic in der 60. Minute, dem zwischenzeitlichen Dortmunder Ausgleich durch Foulelfmeter durch Ilkay Gündogan, war es Arjen Robben vorbehalten, das entscheidende 2:1 in der 89. Minute zu erzielen. Der entscheidende Moment der Erfolgsgeschichte des FC Bayern München lag da gerade 39 Jahre und 10 Tage zurück, am 15. Mai 1974.

Foto: imago Werek

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