Und der Europapokal geht nach Magdeburg

Zweiter Februar 1974 in Magdeburg, im damals noch getrennten Deutschland. Ein eher trister Nachmittag in der DDR Oberliga, der höchsten Spielklasse in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik.

An diesem Tag hatte wohl keiner gedacht, dass dies der Beginn einer wahnsinnigen Erfolgsstory würde. Vor allem nachdem das Spiel gegen Stahl Riesa 0:0 endete. Denn nach diesem Spieltag sollten die Magdeburger keines ihrer weiteren 13 Spiele mehr verlieren und so am Ende die Meisterschaft und den Europapokal feiern.

Damals qualifizierten sich alle Pokalsieger für die Vorrunde des Europapokals der Pokalsieger und da die DDR ihre eigene Liga hatten, konnte sich im Jahre 1973 der 1. FC Magdeburg durchsetzen und trat im europäischen Wettbewerb an. Zu dieser Zeit wurde im Pokal noch vor dem Viertelfinale in zwei Runden gespielt. In der ersten Runde besiegten die Magdeburger den BSG Motor Babelsberg mit 2:0. In der zweiten Runde kam es zum Aufeinandertreffen mit SG Dynamo Schwerin, die in der Runde zuvor die Zweitvertretung der Magdeburger mit 2:1 rausgeschmissen hatten. Hier behielt der 1. FC Magdeburg mit 6:0 aus Hin- und Rückspiel (5:0, 1:0) die Oberhand und zog ins Viertelfinale ein. Dort mussten sie nach Rostock reisen und gewannen ebenfalls beide Partien mit 4:2 (2:1, 2:1). Im Halbfinale ging es weiter nach Rot-Weiß Erfurt, welche mit 3:0 (2:0, 1:0) ausgeschaltet wurden. Im Finale dann das absolute Traditionsduell zwischen dem 1.FC Magdeburg und dem 1. FC Lokomotive Leipzig. Ein absoluter Schlagabtausch bis zum Ende. Erst gingen die Leipziger mit 1:0 (5. Minute) durch Henning Frenzel in Führung. Magdeburg konnte das Spiel allerdings schnell drehen und so stand es 2:1 (19. und 49. Minute) durch Tore von Manfred Zapf und Jürgen Sparwasser. In der 73. Spielminute glichen die Leipziger dank Wolfgang Altmann erneut aus, doch nur sieben Minuten später gelang dem Matchwinner Jürgen Sparwasser der Spielentscheidene Treffer zum 3:2.

Dieser Erfolg bildete dann den Grundstock, für das wann dann folgte.

Im Europapokal 1974 kam der 1. FC Magdeburg bis ins Halbfinale. Dort setzten sie sich in Hin- und Rückspiel gegen Sporting Lissabon mit 3:2 (1:1, 2:1) durch und trafen im Finale auf den AC Mailand, der zuvor Borussia Möchengladbach in Hin- und Rückspiel mit 2:1 (2:0, 0:1) bezwang.  Der Toptorschütze dieser Runde war übrigens Jupp Heynkes mit acht Treffern.

Das Finale am 8. Mai 1974 fand vor nur 4.641 Zuschauern statt. Aus der damaligen DDR waren wegen der geschlossenen Grenze keine Zuschauer anwesend. Der AC Mailand war als klarer Favorit ins Spiel gestartet, lag zur Halbzeit bereits mit 0:1 zurück. Enrico Lanzi hatte kurz vor der Halbzeitpause ein Eigentor erzielt. In der 74. Minute war es dann Wolfgang Seguin, der mit dem 2:0 den Deckel drauf machte. So feierte der 1. FC Magdeburg den größten Titel in der Geschichte in der DDR. Trainer bei den Rosserini war damals niemand geringerer als Giovanni Trapattoni. Weit berühmter als sein Gegenüber Heinz Krügel, der die Magdeburger trainierte.

Für Jürgen Sparwasser, der während der anschließenden WM für das entscheidende Sensationstor seiner DDR gegen die BRD sorgen sollte, war nach dem 1:0 durch ein Eigentor der Italiener klar: „Wenn die nicht mehr zu bieten haben, werden wir das Spiel gewinnen“. Paul Seguin, damals der Torschütze zum 2:0, berichtete, dass an jenem Tag das Stadion sehr spärlich gefüllt war. „Zuhause hatten wir oft 45.000 Zuschauer, beim Habfinale in Lissabon über 70.000, beim Endspiel nur 5.000. Das war zunächst sehr enttäuschend für uns alle.“

Auch Manfred Zapf, damals Mannschaftskapitän und Liberolegende aus Ostdeutschland, erinnert sich an leere Sitzreihen: „Die italienischen Fans hatten anscheinend kein großes Interesse. Sie dachten wahrscheinlich, dass es einen Kantersieg für ihre Mannschaft geben würde.“ Bis heute ist es ein Negativrekord bei den Zuschauerzahlen für ein Europapokalfinale.

Foto: Imago/Werner Schulze

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