Torjäger „Kalle“ Rummenigge

Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern München gilt heute als sehr polarisierende Persönlichkeit. Die einen behaupten, er wäre arrogant, die Anderen empfinden ihn als knallhart und ehrlich. Das war aber nicht immer so. Wenn man in die Vergangenheit blickt, dann weiß man, dass er bei den Bayern ein weiteres Mitglied der Ahnenreihe nach dem legendären Gerd Müller war. Auch er war Stürmer, ein genialer Fußballer, nicht nur die Zahlen sprechen da für ihn. So genial, dass es ihn sogar vom FCB schließlich nach Italien zu Inter Mailand zog. Gestern wie heute bleibt es immer noch eine Ausnahme, dass ein deutscher Spieler im Ausland für soviel Furore sorgt.

Aber zurück zum Beginn seiner Karriere. Im Dezember 1973 stand „Kalle“, wie er oft genannt wurde, mit schlotternden Knien im Büro des gefürchteten Bayern-Managers Robert Schwan. Der damals 18-jährige einigte sich per Handschlag mit Schwan auf einen Vertrag über 8.000 DM. Dank einer Klausel in Udo Latteks Vertrag, die besagte, dass dieser eine Prämie bekommen würde, sobald er einen jungen Spieler in mindestens fünf Pflichtspielen einsetzen würde, war der Grundstein zu Rummenigges Karriere gelegt. Denn so durfte der junge Bursche sofort einige Spiele absolvieren und zeigen, was er drauf hatte. Nach 21 absolvierten Spielen mit insgesamt fünf Treffern war aus „Rotbäckchen“ aus dem kleinen Lippstadt, der Star Karl-Heinz Rummenigge entstanden. Als dann 1978 sogar noch Paul Breitner zu den Bayern zurückkehrte, war das kongeniale Duo „Breitnigge“ geboren. 1980 war dann sein Jahr. Erst wurde er nach sechs Jahren Abstinenz mit den Bayern wieder Meister, dabei wurde er mit 26 Treffern auch gleich Torschützenkönig, schließlich Europameister und zum besten Spielers des Turniers gewählt. Schließlich wurde er sogar zu Deutschlands und Europas Fußballer des Jahres gewählt. Als Fußballer sorgte Rummenigge nur auf dem Platz für Schlagzeilen, neben dem Platz verhielt er sich stets vorbildlich. Sicherlich auch ein Grund, dass er 1984 den Sprung in die italienische Liga schaffte. Damals war die Serie A das Nonplusultra im europäischen Vereinsfußball. Rummenigges Wechsel war der zweithöchste, direkt hinter dem von Diego Maradona. Kein Wunder, denn nicht nur Maradona galt als einer der besten Spieler der Welt, auch der „Kalle“ aus Lippstadt.

Karl-Heinz Rummenigge erzielte in der Bundesliga 162 Tore in 310 Spielen. Nur „Bomber“ Gerd Müller ist bislang erfolgreicher für den FC Bayern gewesen. Insgesamt hat er 204 Tore geschossen und 35 vorbereitet, in 402 Spielen. Dazu wurde er drei Mal Torschützenkönig der Bundesliga (1980,1981,1984), Fußballer des Jahres in Deutschland (1980) und Europa (1980,1981), Weltpokalsieger (1976), Landesmeister-Cup (1975, 1976), Pokalsieger (1982,1984), Deutscher Meister (1980,1981), sowie 1980 Europameister. Von 1984 bis 1987 spielte er dann noch für Inter Mailand in Italien, wo er 30 Tore in 77 Spielen erzielte, sowie von 1987 bis 1989 für Serviette Genf, für die er 21-mal in 40 Spielen einnetzte.

Für den FC Bayern war er anschließend gemeinsam mit Uli Hoeneß maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Münchner bis heute zu unumwundenen Nummer 1 in Deutschland aufgestiegen sind. Der Verein ist trotz Rekordtransferspirale immer schuldenfrei geblieben, besitzt ein eigenes Stadion und Deutscher Rekordmeister in jeder Hinsicht. Die Marke FC Bayern München gehört zu den wertvollsten Fußballmarken der Welt.

Foto: Imago sportfotodienst