Sensationsmeister Eintracht Braunschweig

Wenn die Offensive wenige, aber entscheidende Tore schießt, die Abwehr undurchdringlich ist, ein bärenstarker Torwart fast alles hält, der Trainer taktisches Verständnis hat, was wird man dann? Der Deutscher Meister 1967 heißt Eintracht Braunschweig.

Es ist der 25. Februar 1967. Eintracht Braunschweig gastiert an diesem 23. Spieltag bei den Zebras, dem MSV Duisburg. Heute würde man den Platz sicherlich sperren, als unbespielbar bezeichnen. Damals war es aber mehr als üblich auf gefrorenem und holprigem Boden zu agieren, die Rasenheizung war noch nicht erfunden.

Die Braunschweiger, die bereits elf Spieltage vor Saisonende Tabellenführer waren, hätten sich aufgrund eines Sieges gegen die auf Platz 14 stehenden Duisburger deutlich von Verfolger Eintracht Frankfurt absetzen können. Sie scheiterten aber an der guten Defensive der Zebras und der eigenen eher schlechten Offensive. Insgesamt gelangen den Braunschweigern in dieser Saison nämlich nur 49 Tore.

Doch dank der starken Verteidigung um Joachim Beese, welcher in der Rückrunde kurzerhand vom Mittelfeld ganz nach hinten beordert worden war, Joachim Moll, der sogar ganz aus dem Sturm auf die Außenverteidigerposition rückte, Walter Schmidt, sowie Torwart Horst Wolter ließen sie nur 27 Gegentreffer zu.

Ein paar Spieltage vor dem Ende kam es zu einer kleinen Krise bei den Braunschweigern. Die erste Heimniederlage, ausgerechnet gegen Hannover 96, am 31. Spieltag brachte den Verfolger vom Main wieder heran. So waren sie drei Spiele vor Ende der Saison punktgleich mit Frankfurt. Gegen Gladbach drohte das nächste Debakel. Das 1:0 durch Jupp Heynckes ließ schon einige Zuschauer das Stadion verlassen. Doch ein langer Ball auf Lothar Ulsaß zum 1:1 schürte neue Hoffnung. In der vorletzten 89. Spielminute erzielte Erich Maß, welcher sich zuvor verletzt hatte, per Traumtor den Siegtreffer. Das kuriose daran, zu diesem Zeitpunkt war es Mannschaften noch nicht erlaubt Spieler ein- und auszuwechseln. So musste Ulsaß auf die Zähne beißen, bis er schlussendlich das Spiel entschied.

Nach diesem Spiel gab Braunschweig den ersten Platz nicht mehr aus der Hand und wurde mit zwei Punkten Vorsprung Deutscher Meister, vor dem damaligen noch amtierenden Meister der Saison 1965/66, dem TSV 1860 München. Am Ende standen 43:25 Punkte und 49:27 Tore auf dem Konto. Die Eintracht hatte die mit Abstand beste Abwehr. Die Borussia aus Dortmund hatte mit 14 Gegentoren reichlich Abstand, also 41 Gegentoren. Allerdings hatte der BVB ein bärenstakre Offensive, wie Borussia Mönchengladbach in der ganzen Saison 70 Tore erzielt. Die Eintracht hatte dagegen nur 49 Treffer auf der Habenseite. Meister wurde aber das Team mit der besten Abwehr.

Das taktische Verständnis und ein wenig Glück bei seinen Umstellungen machten den in Hamburg geborenen Teammanager und Trainer Helmut Johannsen zum besten Trainer dieser Saison. Er war ein Trainer, dem es egal war, was die Zeitungen über seine Mannschaft schrieben. Er hatte nur eins im Sinn: Erfolg mit seinem Team.

Also passte er seine Taktik perfekt auf die Mannschaft an. Mit dieser Marschrichtung ist er eine Art Revolutionär, denn niemand vor ihm kam auf eine derart simple Idee. Als Trainer war ihm eine gute Stimmung innerhalb der Mannschaft immer sehr wichtig, deshalb traf sich die Mannschaft auch einmal die Woche zum Essen, um eventuelle Probleme aus der Welt zu schaffen. Es gab damals keine Psychologen, der Teamgeist war das höchste Gut. So wurde die Eintrachtler zu Saisonbeginn als Feierabend-Fußballer und biedere Hausfrauenmannschaft aus Braunschweig verspottet. Am Ende jedoch stand Braunschweig 1967 ganz oben in der Tabelle und kürte sich zum deutschen Meister, sicherlich auch dank Johannsen.

Erfolgstrainer Helmut Johannsen mit der Meisterschale in der Hand.

Die Bundesligazugehörigkeit war damals ein wichtiges Thema, gab es doch direkt zu Beginn keine Auswahlspiele. Und so sollte die Eintracht aus Braunschweig eigentlich zunächst gar nicht die Chance in der höchsten Liga mitzuspielen. Als 1962 die Bundesliga gegründet wurde, gabe es für den Norden insgesamt drei Lizenzen. Der Hamburger SV und SV Werder Bremen waren sicher dabei. So wurde die letzte Lizenz zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig ausgemacht. Hannover setzte dabei voll auf ihr Großstadtniveau als Hauptstadt von Niedersachsen. Braunschweig lag bekanntlich im Zonenrandgebiet. Da der Verband aber überwiegend auf wirtschaftliche und die sportlichen Leistungen blickte, erhielten die Braunschweiger, die in der Saison zuvor vor den Hannoveranern landeten, endgültig den Zuschlag.

Aufgrund der Zonenrandlage wurden dann auch von den meistens als Absteiger Nummer Eins in der ersten Saison gehandelt. Doch bekanntlich sollte sich diese Vorhersage nicht erfüllen. Bis heute bleibt Eintracht Braunschweig einer der größten Traditionsvereine der Bundesligageschichte. Als Sensationsmeister sowieso.

Foto: imago Metelmann/ Witters Hans Dietrich Kaiser