Gerd Müller – Die Geburt des Bombers

Im Jahr 1945, am dritten November genau genommen, erblickte Gerd Müller, heute bekannt als der „Bomber“, das Licht der Welt.

Bescheidenheit und Schüchternheit gehörten zu seinem Naturell, genauso wie Selbstzweifel. So schlug er bereits sehr früh ein Angebot des Jugend-Leiters Georg Münziger vom TSV 1861 Nördlingen aus.

Mit zwölf Jahren, im August 1958, schleppte ihn dann nochmal ein Freund mit und das anscheinend mit Erfolg. Drei Tore sollen ihm drei Tage nach seiner Anmeldung im neuen Verein gelungen sein. Vieles aus seiner Jugend bleibt bis heute verborgen, auch aufgrund der nicht vorhandenen Medienpräsenz. So existieren bis heute nur Erinnerungen von ihm selbst, wie ein 26 Tore Aufritt von 1963. Laut dem Vereins-Archiv endete diese Begegnung 31:2 gegen den SV Holzkirchen. 180 Tore sollen Gerd Müller in dieser Saison gelungen sein

Es war einfach eine komplette andere Zeit in der es weder Socialmedia noch Fernsehen gab. Auch Zeitungen waren selten und wenn, dann konzentrierte man sich auf Finalspiele und nicht auf Jugendfußball. So wurde der DFB erst sehr spät auf ihn aufmerksam. Erst, als er als 18-jähriger seinen TSV mit 45 von 109 Saison-Toren in die vierte Liga schoss, sprach ihn ein Bayern Mitglied an, ob er nicht Lust hätte nach München zu wechseln. Seine Antwort war typisch: „Lust hätt ich schon, aber die werden nicht grad auf mich warten!“

So buhlten beide Münchner Clubs, der FC Bayern, damals noch zweitklassig und der TSV 1860 München, welcher bereits in der ersten Liga aktiv war um seine Dienste. Doch die Bayern behielten bekanntermaßen am Ende die Oberhand und sicherten sich die Dienste des wohl besten deutschen Stürmers der Geschichte.

Doch zunächst schien sich sein Wechsel als Fehler herauszustellen. Nachdem Gerd Müller sich die Hand brach und die ersten Spiele seiner Mannschaft nur zuschauen konnte, wollte er eigentlich direkt wieder nach Hause. Doch Bayern Präsident Wilhelm Neudecker brachte den damaligen Trainer Tschik Cajkovski dazu, ihn einfach mal aufzustellen. So kam die Wende und der Start einer unnachahmlichen Karriere begann. Im ersten Spiel erzielte er beim 11:2 sein erstes Tor für die Bayern.

Es war das erste seiner insgesamt 476 Tore für den FC Bayern. Dabei erzielte Müller in seiner ersten Saison 33 Tore, nur Rainer Ohlhauser erzielt mit 42 Toren mehr. Es war das letzte Mal, dass Müller in seiner Karriere, außer in seiner letzten Saison, nicht vereinsinterner Torschützenkönig geworden ist. Im ersten Bundesligajahr gewann er an der Seite von Franz Beckenbauer und Sepp Maier den DFB Pokal. Noch vor der ersten Meisterschaft gewannen sie 1967 den Europapokal der Pokalsieger. In der Saison 1966/67 wurde Gerd Müller dann das erste Mal zusammen mit Lothar Emmerich (je 28) Torschützenkönig. Abgesehen davon wurde er das erste Mal Fußballer des Jahres und das mit 20 Jahren. Vorjahres-Sieger war damals Franz Beckenbauer.

Als 1968 die Münchner ihren Trainer austauschten und Branko Zebec anheuerten, war Müller wegen des neuen Trainers gezwungen an Gewicht zu verlieren und so trug er im Sommer unter seiner Jacke zwei Trikots im Training. Sechs Kilo verlor er durch diese Maßnahme und es half ihm dabei sich weiter zu verbessern. So gelang ihm das Double mit den Bayern aus Pokal und Meisterschaft, sowie das Double aus Torschützenkönig und Fußballer des Jahres.

Am 24. Februar 1970 erzielte Gerd Müller dann sein 116. Bundesliga Tor und löste Lothar Emmerich als Rekord Bundesliga-Torjäger ab. In den letzten 48 Jahren schaffte es niemand ihn einzuholen.

Gerd Mueller gegen Fabrizio Poletti

Fußball WM 1970 in Mexiko, Halbfinale Deutschland –  Italien 3:4 n.V., Gerd Müller gegen Fabrizio Poletti

Mit einem neuen Rekord von 38 Toren wird Müller Anfang der goldenen Siebziger 1970 erneut Torschützenkönig. Zwei Jahre später wird der FC Bayern dann mit 101 Toren Deutscher Meister und dem Bomber gelingen sogar 40 Tore. Im Oktober knackt er dann die Schallmauer von 200 Toren. Dreimal hintereinander wird er bis 1974 Torschützenkönig (36 und 30 Tore in den Jahren 1973 und 1974).

Die Abwerbungsversuche des FC Barcelonas 1974 scheiterten am Ende am DFB, weil dieser vor der WM keine Spieler ins Ausland gehen lassen wollte.

Als er sich 1977 einer Bandscheibenoperation unterziehen muss, scheint seine Karriere als Bayern-Profi zu Ende zu sein. 1977/78 wird er aber dann doch noch einmal Torschützenkönig. Trotz dessen fällt es ihm allmählich schwerer mitzuhalten. Unter seinem neuen Trainer Pal Csernai erzielt der einstige Weltfußballer kein einziges Tor mehr und so kam es, dass er in insgesamt 427 Bundesliga-Spielen 365 Tore für den heutigen Rekordmeister erzielte. Ohne Einsatzzeiten wechselte Gerd Müller daraufhin in die USA, um anschließend unter großen privaten Schwierigkeiten wieder den Weg zurück in die Bayern Familie zu finden. 2003 wird er von der Deutschen Fußball Liga noch als wertvollster Spieler der Bundesligageschichte geehrt. Bis heute gibt es nur einen einzigen Spieler der Gerd Müller an der Spitze der ewigen Torschützen in einer der Topligen ablösen konnte und dies ist niemand geringerer als Lionel Messi (369 Tore).

Insgesamt schoss Gerd Müller 476 Tore und bereitete 106 Tore für den FC Bayern vor und das in 541 Partien. Damit hat er immer noch einen besseren Toreschnitt als Lionel Messi und Christiano Ronaldo. Durch diesen Vergleich kann man sehr gut erkennen was für ein wahnsinniger Fußballer der Bomber eigentlich gewesen ist. Wenn man noch die Umstände bedenkt unter denen damals gespielt wurde, macht es das Ganze noch viel erstaunlicher. Wir verneigen uns vor dem größten Fußballer den es je gab, auch wenn er mit Messi und Ronaldo seine Nachfolger bereits gefunden hat.

Foto: WilfriedWitters Hans Dietrich Kaiser/imago Rolf Hayo

Zum Anziehen

Zum Weiterlesen