Der ungewöhnliche Underdog FC Homburg 08

Obwohl die Homburger nur insgesamt drei Saisons in Deutschlands höchster Spielklasse verbrachten, ist ihre Fußballgeschichte vor allem durch unfassbare Sensationen geprägt.

Am 19. Spieltag der Bundesligasaison 1986/87, genauer gesagt am 28.02.1987 gelang dem FC Homburg 08 ein sehr wichtiger 2:1 Sieg. Und zwar gegen den Südrivalen und damals viertplatzierten VfB Stuttgart. Ohne diesen Sieg wären die Homburger höchstwahrscheinlich im gleichen Jahr, nach Ihrem Aufstieg in die Bundesliga, direkt wieder abgestiegen. Doch es sollte nicht sein. Den ungemein wichtigen Treffer erzielte ausgerechnet ein Verteidiger. Der polnische Nationalspieler Roman Wójcicki war es, der zum 2:1 in der 89. Spielminute einnetzte. Wie sich im Nachhinein herausstellte, der wohl wichtigste Treffer in dieser Saison. Der Abstieg wurde so in letzter Minute verhindert.

Ein Jahr später war es dann aber doch soweit. Insgesamt 15 Jahre spielten die Saarländer in der 2. Bundesliga. In der ewigen Tabelle der Zweiten Liga erreichten sie so Platz 20. Aber das war nicht genug. Auch im DFB Pokal waren die Homburger stets gefürchtet. Zwischen 1970 und 1996 erreichten sie immerhin dreimal das Viertelfinale des DFB Pokals. 1976 scheiterten sie dabei zuhause am Hamburger SV mit 1:2. 1980 unterlagen sie dem 1. FC Köln mit 1:4. Der größte Erfolg gelang ihnen aber wohl in der Saison 1977/78, als sie auf den damaligen Weltpokalsieger FC Bayern München trafen. Mit 3:1 gewannen sie sogar ziemlich deutlich und schlugen damit die so erfolgreiche Mannschaft um Sepp Maier, Gerd Müller, Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß. Im Viertelfinale war dann allerdings gegen Hertha BSC Berlin Schluss, da man mit 1:4 nach Verlängerung den Kürzeren zog.

 

Doch dies sollte nicht der einzige Sieg gegen die Bayern bleiben. Der FC Bayern München kam am 22.08.1987 mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen nach Homburg. Sie hatten die letzten 26 Auswärtspartien nicht mehr verloren!

Doch an jenem Nachmittag sollte diese Serie enden. Das 1:0 durch Toptorschütze Uwe Freiler, glich Lothar Matthäus zwar noch in der 49. Minute aus. Doch ein Doppelpack durch den eingewechselten Wolfgang Schäfer in der 67. und 10 Minuten später in der 77. Spielminute sorgte für die endgültige Entscheidung. Der Anschlusstreffer in der 87. Minute durch Jürgen Wegmann war nur noch Ergebniskosmetik. Das Spiel endete 3:2 für die Homburger. Am Ende half dieses Ergebnis allerdings nicht. Während die Bayern in der Meisterschaft nur Zweiter hinter dem SV Werder Bremen wurden, stiegen die Homburger zusammen mit dem FC Schalke 04 ab. Das Rückspiel zwischen den Bayern und Homburg ging übrigens mit 6:0 an die Münchner.

In der Saison 1995/96 schaffte man es noch einmal ins Viertelfinale des DFB Pokals. In der 1. Hauptrunde schlug man den FC St. Pauli (2:1 n.V.), in der 2. Hauptrunde den SV Sandhausen (2:1), im Achtelfinale den TSV 1860 München (2:1). Im Viertelfinale war dann allerdings Schluß. Es kam zum Duell mit dem 1. FC Kaiserslautern mit Andreas Brehme, Andreas Reinke und Olaf Marschall. Das Spiel war ein spektakulärer Schlagabtausch, allerdings gewannen die Lauterer mit 4:3 nach Verlängerung. Zum Trost der Homburger, sie waren am nächsten dran die Roten Teufel zu schlagen. Den das Team des 1. FC Kaiserslautern gewann nicht nur das Halbfinale gegen Bayer 04 Leverkusen, sondern schließlich sogar den DFB Pokal. Aus der Bundesliga stiegen sie allerdings ab.

 

Kurios war auch die Saison 1987/88. Gerade hatten die Homburger einen neuen Hauptsponsor an Land gezogen. Dieser war niemand geringerer als Kondomhersteller London. Dem DFB war das des Guten zu viel und so drohte er dem Verein mit einem Punktabzug. Fortan wurden die Trikots vorerst mit einem schwarzen Balken überklebt. Schließlich entschied das Landgericht in Frankfurt am Main zugunsten des FC Homburg und sie durften wieder mit ihrer „Werbung“ auflaufen.

Nachdem zweimal in Folge der Aufstieg in die zweite Bundesliga missglückt worden war (1996, 1997), schlossen der FC Homburg einen Kooperationsvertrag mit dem Rivalen 1. FC Saarbrücken. In diesem wurde festgelegt, dass die besten Spieler von Homburg nach Saarbrücken abgegeben werden mussten. Nach ihrer Insolvenz wurde der FCH ab der Saison 1998/99 in die Oberliga Südwest zwangsversetzt. Seit diesem Zeitpunkt pendelt die Mannschaft zwischen der Oberliga und der darüber liegenden Regionalliga West.

 

 

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