Das Meisterstück des Udo Lattek

Zum zweiten Jahrestag seines Todes, möchten wir an dieser Stelle einen der erfolgreichsten, wenn nicht sogar den erfolgreichsten deutschen Bundesliga-Trainer aller Zeiten ehren.

Mathe und Physik studieren und anschließend fleißig Titel im Fußball zu sammeln klingt merkwürdig? Udo Lattek bewies uns das Gegenteil. Lattek war Taktiker, Macher, Verwalter und rationaler Kopf, alles in einem. Das war für ihn alles was zählt.

Seine Trainerlaufbahn begann im Alter von 30 Jahren in der A-Nationalmannschaft an der Seite von Helmut Schön. Nach fünf Jahren als Assistent wechselte der nun 35-jährige Lattek 1970 auf seine erste große Position im Vereinsfußball. Und das gleich beim FC Bayern München. Obwohl selbst ohne große Erfahrung, nahm er die Chance wahr und beerbte den Trainerstuhl von Branko Zebec, der immerhin in der Saison zuvor die Meisterschaft und den DFB Pokal holte, übrigens das erste Double der Bundesligageschichte.

In der ersten Saison unter Udo Lattek gelang den Bayern auf Anhieb die Vizemeisterschaft, hinter den Fohlen aus Gladbach. 1971 dann der erste handfeste Titel in Form des DFB Pokals. Darauf folgten drei Meisterschaften (1972-74) und schließlich die Krönung im internationalen Vereinsfußball, der Europapokal der Landesmeister 1974. Die Achse Maier – Beckenbauer – Müller war dann bekanntlich auch der Garant für den Gewinn der Weltmeisterschaft im gleichen Jahr.

Doch schließlich wurde das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer trotz beeindruckender Ergebnisse als abgenutzt betitelt. So kam es, dass er 1975 zum Erzrivalen Borussia Mönchengladbach wechselte. Diese hatten zuvor meist den attraktiveren Fußball gespielt, mit Udo an der Seitenlinie behielten allerdings die Münchener die Titel stets auf ihrer Seite. Das sollte nun anders werden.

Udo Lattek jubelt

19.06.1971 Udo Lattek bejubelt Bayerns 2:1 Treffer in der Verlängerung des DFB Pokalfinals gegen den 1. FC Köln.

1976 und 1977 holten die Gladbacher dann unter ihrem neuen Dirigenten gleich zwei Mal in Folge die deutsche Meisterschaft. 1977 wurden sie dank eines 2:2 gegen den FC Bayern München wiederum Meister. Ein Jahr später kam es dann zum wahrscheinlich kuriosesten Finale in der Geschichte der deutschen Meisterschaft. Punktgleich am letzten Spieltag mit dem 1. FC Köln, fehlten den Gladbachern nicht einholbare zehn Tore, um doch noch Meister zu werden. Trotzdem gelang es ihnen den höchsten Bundesligasieg aller Zeiten einzufahren. Mit einem 12:0 schickten sie damals Borussia Dortmund nach Hause. Da die Kölner im Parallelspiel allerdings auf St. Paul mit 5:0 gewannen, war der Traum vom vierten Titel in Folge trotzdem geplatzt.

Als krönenden Abschluss dieses Gladbach-Jahrzehnts holten sie am Ende doch noch einmal den UEFA-Cup unter ihrem Trainer Udo Lattek.

Um sich vom tragischen Tod seines 15-jährigen Sohnes 1981 abzulenken, verließ er Deutschland und wechselte zum FC Barcelona nach Spanien. Allerdings kam er dort mit dem recht eigensinnigen Spieler Diego Maradona nicht zurecht. Als dieser wieder mal zu spät zum Treffen erschien, fuhr Lattek und seine Mannschaft einfach ohne den einstigen Weltfußballer los, woraufhin er seinen Trainerposten verlor. Die Macht Maradonas war schon damals sehr groß.

So kehrte der einstige Disziplinfanatiker zurück zum FC Bayern, um mit den Münchnern in vier Jahren drei weitere Meistertitel 1885-1987, sowie 1984 und 1986 den DFB Pokal zu feiern.

Anschließend zog sich Lattek aus dem Trainergeschäft zurück und heuerte 1987 als Sport-Direktor beim 1. FC Köln an, wo er sogar interimsweise beim Spiel gegen die Bayern (1:1) noch einmal an der Seitenlinie stand.

1992 zog es ihn dann doch noch mal als Trainer zu Schalke 04, wo er allerdings nach 6 Monaten wieder entlassen wurde. Im Jahr 2000 gab er noch sein großes Comeback beim BVB. Die Borussia aus Dortmund war sehr schlecht gestartet, das Ziel war, der BVB durfte nicht absteigen. Zusammen mit Matthias Sammer gelang ihm dieser Husarenritt. Am Ende hielt man die Klasse.

Danach beendete er endgültig seine Karriere. Seine großartige Laufbahn: Elf nationale Titel und drei Siege in den jeweiligen Europapokal-Wettbewerben.

„Wenn im Himmel Fußball gespielt wird, dann ab sofort erfolgreich. Ruhe in Frieden, Udo Lattek!“, sagte Benedikt Höwedes 2015.

Foto: WilfriedWitters/imago sprtfotodienst