Als in Saarbrücken noch Bundesliga gespielt wurde

Ausverkauftes Haus im Ludwigsparkstadion an der Camphauser Straße in Saarbrücken. Zu Gast ist an diesem 16. April 1977 niemand geringerer als der große FC Bayern München. Der FC Saarbrücken steht auf dem rettenten 15. Platz, aber Achtung, die Bayern kommen.

Bereits nach dem 26. Spieltag galt der 1. FC Saarbrücken als abgestiegen. Auf Platz 17. der Bundesligatabelle ging es nach Berlin, zum Tabellenschlußlicht Tennis Borussia. Ein niemand 1:1-Unentschieden stand am Ende auf der Anzeigetafel. Insgesamt fünf Punkte – dies entsprach zu damaligen Zeitpunkt zwei Siegen und einem Unentschieden – trennte Saarbrücken vom rettenden Ufer, dem 15. Platz.

Zu diesem Zeitpunkt war den Fans allerdings noch nicht klar was folgen sollte. Die nächsten Gegner der Saarländer sollten 1.FC Köln, FC Schalke 04, Hamburger SV und der FC Bayern München sein. Ein schweres Restprogramm. Gegen die sechstplatzierten Kölner gelingt das erstes Erfolgserlebnis. Drei Tore durch Roland Stegmeyer bringen einen verdienten 3:1-Sieg und den Sprung auf Tabellenplatz 16.

Einen Spieltag später geht es dann zur drittplatzierten FC Schalke 04. Ein Tor durch Harry Elbracht in der 78. Spielminute reicht zum hart erkämpften 1:0-Auswärtssieg für die Saarbrücker. Das Ergebnis sollte am Ende den Schalkern sogar die Meisterschaft kosten. Am 29. Spieltag kam es dann zum Duell mit den stark favorisierten Hamburgern. Zunächst sah auch alles nach einem Sieg der Norddeutschen aus. Zur Halbzeit stand es 2:1 durch zwei Tore von Caspar Memering und Arno Steffenhagen. Ludwig Denz, auf Seiten der Saarländer, gelang vor der Pause noch der Anschlusstreffer zum 1:2. In der zweiten Halbzeit dann der schnelle Ausgleichstreffer wieder durch Denz und in der 71. Minute dann sogar der Führungstreffer durch seinen Namensvetter Ludwig Schuster zum 3:2. Der Anschluss zum rettenden Ufer war gelungen. Ein Punkt trennte die Saarbrücker nun vom Karlsruher SC, die zu diesem Zeitpunkt auf dem 15. Tabellenplatz waren.

Am 30. Spieltag kam es zum absoluten Entscheidungsspiel für den 1. FC Saarbrücken. Zu Gast vor 39.000 Zuschauern war der FC Bayern München, gespickt mit Stars wie Sepp Maier, Uli Hoeneß und Franz Beckenbauer. Die Bayern lagen auf Platz 8, wollten es nach einer verkorksten Saison unbedingt noch in die Qualifikation für den Europapokal der Landesmeister schaffen. Aus Münchner Sicht war es eine absolut schreckliche Saison und ihre letzte Chance diese doch noch in eine gute umzuwandeln. Doch es sollte anders kommen. Allein vier Tore durch Saarbrückens Topstürmer Roland Stegmayer brachte nach 75 Minuten bereits eine 4:1 Führung. Gerd Müller hatte zwischenzeitlich den 1:3-Anschlusstreffer erzielt und dadurch eine kleine Hoffnung bei den Münchenern entfacht. Doch Ludwig Denz und Ludwig Schuster erzielten in der Folge zwei weitere Treffer, wodurch der 1. FC Saarbrücken die Bayern sogar mit 6:1 besiegten und sich vor den Karlsruher SC auf Platz 15 setzten. Die Entscheidung sollte einen Spieltag später im direkten Aufeinandertreffen beider Teams fallen. Saarbrücken ging mit dem Rückenwind von drei Siegen und einem Unentschieden aus den letzten vier Spielen in die Partie. Karlsruhe hatte hingegen nur einen Sieg einfahren können, aber spielte nun zuhause. Und aus irgendeinem Grund spielten die Karlsruher geanu an diesem Tag einen traumhaften Fußball, und zerlegten Saarbrücken mit 3:0 vor heimischen Publikum. Zwei Spieltage vor Schluss ein mächtiger Dämpfer, dem man war also wieder auf einem Abstiegsplatz mit 1 Punkt Rückstand zum Nichtabstiegsplatz.

Gegner am 32. Spieltag war niemand geringerer als die erstplatzierte Borussia aus Mönchengladbach. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt schien verloren gegangen.  Immerhin hatte der Karlsruher SC an diesem Spieltag mit 5:0 in München bei den Bayern verloren und auch für die Saarländer sah es lange Zeit nicht gut aus. Ein denkbar unglückliches Eigentor in der dritten Minute durch Saarbrückens Bernd Förster machte den Anfang. Es folgte das 2:0 durch Herbert Heidenreich zur Führung der Gladbacher. Alles schien wie immer bei den Fohlen zu laufen. Doch in der 63. Minute gelang wie aus dem Nichts der Anschlusstreffer durch Mittelfeldspieler Ludwig Schuster. Nun stand es nur noch 1:2. Und es wurde noch besser. In der 87. Spielminute dann der entscheidende Treffer. Der 2:2-Ausgleichstreffer durch den zuvor so unglücklichen Bernd Förster vor 37.000 Zuschauern.

Dank des besseren Torverhältnisses des 1. FC Saarbrücken reichte dieser eine Punkt zum Sprung auf Rang 15. Zwei Spieltage vor dem Ende ging der Karlsruher SC dann mit 5:0 in Gladbach unter. Saarbrücken hingegen gelang ein erneuter Sieg beim MSV Duisburg. Beim 3:2 erzielten Stegmeyer, Elbracht und Förster die drei wichtigen Tore. Der Klassenerhalt war damit so gut wie sicher. Nur ein hoher Sieg der Karlsruher und eine gleichzeitige hohe Niederlage von Saarbrücken hätten noch zu einem Abstieg geführt. Dank eines 1:1 gegen Hertha BSC Berlin waren nun allerdings auch alle Restzweifel beseitigt worden. Saarbrücken blieb ein weiteres Jahr in der höchsten deutschen Spielklasse, der 1. Bundesliga. Die Gladbacher wurden übrigens an diesem Wochenende, dank eines 2:2 in München, deutscher Meister.

In der Saison wiederholte sich das Wunder allerdings nicht. Es ging mit deutlichem Abstand in die zweite Bundesliga. Im Jahre 1985 ging es noch einmal hoch ins Oberhaus. Doch der direkte Abstieg in die zweite Liga folgte sogleich. Der letzte Aufstieg dann 1992. Doch auch hier ging es ein Jahr später wieder direkt nach unten. Heute spielen der 1. FC Saarbrücken in der Regionalliga Südwest um den Aufstieg zurück in die dritte Liga. Das Ludwigparkstadion war am 29. Mai 1993 letztmals Spielort eines Bundesliga-Spiels. Damals traf der 1. FC Saarbrücken auf den VfB Stuttgart und verlor 1:4.

Foto: imago Ferdi Hartung

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